Start Zeitungsartikel Handball "Taktisch haben wir schon noch einiges vor"
"Taktisch haben wir schon noch einiges vor" PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Julia Eisenschmidt   
Samstag, 27. Februar 2010

20100227_nor_andiMeyenburgs erfolgreicher Handball-Coach Andreas Bräuer weiß, wie er die Hebel ansetzen muss

Als Mannschaft der Stunde kann man durchaus auch den Handball-Frauen-Kreisoberligisten TSV Meyenburg bezeichnen. Unser Redakteur Olaf Schnell unterhielt sich vor der heutigen Heimaufgabe gegen den VfL Fredenbeck mit dem TSV-Erfolgstrainer Andreas Bräuer.

Hut ab. Ihre Mannschaft ist nun schon seit sechs Spielen ungeschlagen. Was ist das Erfolgsrezept?
Andreas Bräuer: Es ist nicht einfach, wenn man viele Spiele in Folge verliert. Aber die Partien, die wir verloren haben, zeigten, dass wir so schlecht nicht sind. In den meisten Spielen führten wir sogar deutlich, wie gegen Sulingen. Da lagen wir in der 54. Minute noch mit sieben Toren vorne, mussten dann aber noch ein Remis hinnehmen. Das Erfolgsrezept ist ganz einfach: Auf das, was die Mannschaft kann, vertrauen. Ich hatte immer an das Team geglaubt.

Zuletzt musste auch der Zweitplatzierte VfL Stade II dran glauben. Wohin soll die Meyenburger Reise in der Kreisoberliga noch gehen?
Das war ein schöner Erfolg für die Mannschaft, aber abheben dürfen wir nicht. Die nächsten Gegner sind alle über uns platziert, und dann kann das ganz schnell wieder abwärts gehen.
Sie gelten als Motivationskünstler. Es heißt, dass Sie sich unmittelbar vor den Spielen etwas Besonderes einfallen lassen. Geben Sie bitte ein paar Beispiele.
Wenn wir kurz vor Spielbeginn in die Kabine gehen, habe ich noch keine Ansprache parat. Das mache ich davon abhängig, wie das Aufwärmprogramm abläuft. Ein Beispiel: In der Kabine hatte ich die Mannschaft gefragt, welcher Tag denn morgen wäre - Sonntag kam als Antwort. Daraufhin habe ich gesagt, dass sie das vor dem Spiel gar nicht wissen müssen. Ihre Konzentration muss dem Gegner gelten. Was macht meine Gegenspielerin? Ist sie zum Beispiel eine Linkshänderin? Und wenn wir uns darauf konzentrieren, was unser Gegner kann, dann sind wir vorbereitet und gewinnen das Spiel. Gegen Stade II wussten wir, dass die eine sehr gute Kreisläuferin haben und diese gerne über einen Bodenpass angespielt wird.
Was haben Sie sich denn vor dem Heimspiel gegen Fredenbeck ausgedacht?

Wie gesagt, das kommt erst kurz vor Spielbeginn. Aber beim letzten Training habe ich schon darauf hin gewiesen, dass wir auf unsere Siegesserie sehr stolz sein können. Wir dürfen nun aber nicht abheben. Natürlich versucht jeder Trainer, seine Mannschaft stark zu reden.
Gucken wir mal etwas über den Tellerrand. Denken Sie nach dieser Erfolgsserie eventuell auch mal über einen Landesliga-Aufstieg nach?

Nein. Da sind wir noch nicht.
Mit Stefanie Wätje, Catharina Buß, Angela Lenz-Kaewert und Kristin Franke mussten Sie in dieser Saison auf vier Leistungsträgerinnen verzichten. Hätten Sie gedacht, dass Ihre Mannschaft nach der Niederlagenserie noch so gut in Tritt kommt?
Ich hatte der Mannschaft immer vertraut und gewusst, dass der berühmte Knoten platzen würde. So gilt mein Dank auch den Spielerinnen aus der zweiten Damen und der A-Jugend, die bei uns aushelfen. Zudem rückt ja noch Angela Lenz-Kaewert nach, wenn Sabrina Taucke mit Werders weiblicher A-Jugend unterwegs ist.
Wo muss noch der Hebel angesetzt werden? Bekanntlich konnte beim 24:23-Sieg gegen VfL Stade II zuletzt auch die technische Fehlerquote reduziert werden.
Wir müssen weiter an uns arbeiten. Spielerisch und taktisch haben wir schon noch einiges vor.
Gegen den Tabellennachbarn Fredenbeck könnte es auch klappen. Haben Sie vor den letzten acht Spielen überhaupt noch vor irgendeiner Mannschaft Respekt?

Respekt sollte man jeder Mannschaft entgegen bringen. Aber Angst haben wir nicht. Wir müssen erst einmal dieses Spiel gewinnen. Das Hinspiel hat ja gezeigt, wie ein schon geglaubter Sieg in eine Niederlage (18:21, Anm. d. Red.) wechseln kann.


Zur Person: Andreas Bräuer hatte im Alter von zehn Jahren beim TSV Lesum-Burgdamm den ersten Kontakt mit dem Handballsport. Der 43-jährige Schlussmann ist bis heute dem Verein treu geblieben, spielte in Lesum eine Saison in der Verbandsliga, die meiste Zeit aber in der Bezirksliga. Zum jetzigen Zeitpunkt hütet er bei der HSG Lesum/St. Magnus II das Tor in der Kreisklasse und trainiert den Frauen-Kreisoberligisten TSV Meyenburg.
© Copyright Bremer Tageszeitungen AG Ausgabe: Die Norddeutsche WEM Seite: 14 Datum: 27.02.2010

Aktualisiert am 27. Februar 2010