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Reisen, reisen und nochmals reisen PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Julia Eisenschmidt   
Freitag, 09. Juli 2010

Manche Handballmannschaften sind sehr unglücklich über die Einteilung der künftigen Kreisoberligen

Von Olaf Kowalzik

Bremen-Nord. Die Handballer der HSG Lesum/St. Magnus sind entsetzt: Schlappe fünf Kilometer sind die Rot-Blauen räumlich von ihrem Lokalrivalen SV Grambke-Oslebshausen getrennt, doch anstatt in der Kreisoberliga der Männer direkt gegeneinander anzutreten, müssen die Spieler des Landesliga-Absteigers reisen, reisen und reisen...

"1500 Kilometer", das hat der neue HSG-Trainer Sven Guse schnell nachgerechnet, "müssen wir in der kommenden Saison zu unseren Auswärtsspielen zurücklegen." Nur zum großen Nordrivalen, ja auch zu den anderen Stadtbremer Teams, da darf der Liga-Novize nicht hin. Es hat etwas von der Dramatik der berühmten Oper über die beiden Königskinder, die nicht zueinander finden.
Schuld daran ist die Liga-Reform, die die Kreisoberliga auf Wunsch vieler Vereine erstmals nach ihrer Zusammenlegung vor vier Jahren wieder in eine Nord- und eine Südstaffel trennt. Aus einer 14er-Liga wurde bei den Männern eine 12er- (Nord) und eine 13er-Staffel (Süd), bei den Frauen je zwei 10er-Gruppen, wobei die Entfernungen und die Fahrzeiten der Teams über die jeweilige Staffelzugehörigkeit entscheiden - mit der Konsequenz, dass die Grenze der beiden Staffeln bei den Männern eben jetzt exakt durch Lesum und Grambke verläuft. Bei den Frauen sind dagegen alle Bremer Teams in einer Staffel vertreten.
"Es ist für mich nicht nachvollziehbar, weshalb uns die Staffelleitung selbst auf unser Bitten hin wegen der vielen Derbys nicht in die Südstaffel gesteckt hat. Wir liegen direkt neben Grambke, wo ist da der Sinn der Teilung?", fragt sich Sven Guse. Es hilft nichts, die Lesumer müssen die bittere Pille schlucken, ob sie wollen oder nicht. Statt zum gewünschten Lokalrivalen führt ihr Weg nun in der Nordstaffel hauptsächlich in die Region Bremerhaven/Cuxhaven (Langen, Spaden, Schiffdorf, Bexhövede, Altenwalde) bis weit in den Stader/Hamburger Raum (Dollern, Himmelpforten, Wisch, Sittensen). Lediglich die HSG Stedingen und der Aufsteiger VSK Osterholz-Scharmbeck liegen für sie noch "um die Ecke".
Die HSG Stedingen, ebenfalls von der Regelung betroffen, sieht das Ganze dagegen etwas lockerer: "Natürlich finde ich die Aufteilung komisch. Auch sind die kurzen Wege für uns Luxus, aber ich bin das weite Fahren eh' gewohnt", sagt der neue Stedinger Coach Bastian Friese, der zuletzt mit Habenhausen in der Oberliga ganz andere Strecken unterwegs war. "Letztendlich haben sich die Staffel-Planer dabei etwas gedacht, und ändern können wir es jetzt ja sowieso nicht mehr", fährt er fort.
Mit seinem Liga-Rivalen aus Lesum/St. Magnus ist sich Bastian Friese jedoch in einem einig: "Wir wollen alle aufsteigen", gibt er die Stimmung nach einer Umfrage in seiner Mannschaft wider. "Wir arbeiten härter und engagierter als je zuvor, ein zweiter Platz ist in den Köpfen meiner Mannschaft keine Option", schiebt der Lesumer Sven Guse nach. Für beide Teams gibt es für ihr Vorhaben trotzdem den "Plan B", denn während der Staffelmeister direkt in die Landesliga aufsteigt, hat der Zweite immerhin noch eine Chance, gegen den Zweiten der Südstaffel zum Aufstieg zu kommen.
Klaus Blanke, der Trainer des SV Grambke-Oslebshausen III, sieht sich derweil in der Südstaffel auf der Sonnenseite: Mit Bremen-Ost, Findorff und Woltmershausen misst er sich mit drei Bremer Vertretern, aber auch Weyhe, Brinkum und Intschede liegen praktisch um die Ecke. Da lassen sich die Touren nach Sulingen, Daverden, Ottersberg, Eystrup, Verden und Bruchhausen-Vilsen gut verschmerzen. "Mich hat die Liga-Einteilung schon ein wenig verwundert, aber meine Mannschaft hat Glück gehabt, dass sie wenigstens noch einige Gegner im Bremer Raum hat", atmet er durch, "ich persönlich fand die Kreisoberliga, so wie sie vorher war, allerdings besser." Völlige Einigkeit herrscht derweil bei den Frauen des SV Grambke-Oslebshausen und des TSV Meyenburg, die beide in der Nordstaffel antreten und denen dort unter den acht weiteren Gegnern mit Hastedt, Arsten und Walle allein schon drei ganz kurze Wege garantiert sind. "Ich finde die Aufteilung in Ordnung, auch wenn es irgendwie nicht passt, dass bei uns der TuS Rotenburg in der Staffel ist, während Oyten als räumlich näherer Verein in der Süd-Gruppe aufläuft. Letztlich ist der Fahraufwand für uns aber genau richtig, weniger als in der Landesliga. Und mehr als jetzt hätten gerade meine Mütter im Team wohl kaum noch mitgemacht", erzählt Lars Hofmann, Trainer des Kreisliga-Meisters aus Bremen-Nord, der überraschenderweise auch noch in der ersten DHB-Pokalrunde steht.
"Unzufrieden wäre ich lediglich gewesen, wenn es, wie damals geplant, zu einer Achter- und einer Zwölferstaffel gekommen wäre und die ersten Vier in der Achterstaffel auch noch ein Play-off gespielt hätten", bemerkt Meyenburgs Coach Andreas Bräuer. Selbst der Tatsache, dass in der bevorstehenden Spielzeit überhaupt nur dann Mannschaften absteigen werden, wenn die beiden Zehnerstaffeln durch die Zahl der Aufsteiger aus den Kreisligen und die Absteiger aus den Landesligen plötzlich mehr als 14 Teams aufweisen (Hofmann: "Das halte ich für relativ unwahrscheinlich"), gewinnt Andreas Bräuer etwas Gutes ab: "So kann ich meine junge Spielerinnen besser ins Team integrieren, weil wir in dieser Saison völlig befreit aufspielen können".
Für die Männer der HSG Lesum/St. Magnus gibt es derweil zwei Möglichkeiten, wieder zu ihren gewünschten Stadtderbys zu kommen: Entweder, sie steigen wieder in die Landesliga auf und treffen damit auf den SV Grambke-Oslebshausen II, Habenhausen II oder die SG Bremen-Ost, oder die Auf- und Absteiger sorgen für neue Belebung, denn die Kreisoberliga wird künftig jedes Jahr nach der geographischen Lage der Teams neu eingeteilt...

© Copyright Bremer Tageszeitungen AG Ausgabe: Die Norddeutsche WEM Seite: 6 Datum: 09.07.2010